Entwicklungszusammenarbeit greifbar und verständlich
Zehntklässler besuchen Bundesministerium
Geduld ist eine Tugend, besonders wenn sich in Taschen und Jacken Scheren, Nagelfeilen, Deosprays und Kleber verstecken und das Sicherheitspersonal es ernst meint. Der Grund für die Kontrolle: Die beiden Erdkunde- und Geschichte-Kurse der Stufe 10 besuchten das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Bonn.
Doch nicht nur am Eingang spielte Sicherheit eine Rolle. Unser Gesprächspartner, der für Kamerun zuständige Referent, hätte eigentlich kurz vor unserer Ankunft aus dem afrikanischen Partnerland zurückkehren sollen. Die nach den Wahlen entstandene Lage ließ ihn jedoch sicherheitshalber vorerst in Deutschland bleiben.
Im Gespräch erklärte er anschaulich, wie das BMZ mit Konflikten in Partnerländern umgeht und welche vielfältigen Aufgaben es übernimmt: von Bildungs- und Gesundheitsprojekten über nachhaltige Landwirtschaft bis hin zu erneuerbaren Energien.
Der Referent nahm sich viel Zeit, unsere Fragen zu beantworten. Seine mit persönlichen Erlebnissen angereicherten Schilderungen machten die oft abstrakt wirkende Entwicklungszusammenarbeit greifbar. Wir hörten z.B. von einem jungen Mann, der ein Start-up gründete und erfolgreich Sandalen aus alten Autoreifen fertigt und vertreibt.
Es wurde deutlich, dass die Entwicklungszusammenarbeit heute mehr die Weltgemeinschaft und das Allgemeinwohl im Blick hat als nationale Interessen zu verfolgen. Eine Konferenz wie 1884/85 in Berlin, mit der wir uns im Vorfeld beschäftigt hatten, wäre im BMZ heute undenkbar.
