Demokratie selbst erleben und gestalten
Wie kann Schule Demokratie nicht nur vermitteln, sondern erlebbar machen? Mit dieser Frage beschäftigten sich drei Schülerinnen und Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums gemeinsam mit unserer Schulleitung und Herrn Dominik Trauth (Demokratie AG) bei der Bildungskonferenz des Rhein-Erft-Kreises am 19. Juni 2026 in Bergheim.
Zu der Veranstaltung hatte Landrat Frank Rock eingeladen. 45 Schulen waren vor Ort und von den 200 Teilnehmenden waren viele noch Schülerinnen und Schüler. Demokratie sollte an diesem Tag nicht nur Thema sein – sie sollte von den Teilnehmenden selbst erlebt und gestaltet werden.
Dies spiegelte sich auch in den zahlreichen Workshops wider. Dort ging es unter anderem um die Arbeit in Schülervertretungen, um Möglichkeiten der Finanzierung von Schulprojekten und um die Frage, wie junge Menschen kommunalpolitische Prozesse mitgestalten können. Die Teilnehmenden erhielten dabei viele praktische Anregungen, wie Mitbestimmung und Beteiligung an Schulen gestärkt werden können.
Einen besonderen Impuls setzte die Keynote von Michel Friedman. In seinem sehr persönlichen Beitrag sprach er über seine eigenen Bildungserfahrungen und die Bedeutung von Bildung für gegenseitigen Respekt und Toleranz. Dabei warb er eindringlich dafür, Haltung zu zeigen, für Demokratie, Grundrechte und das Grundgesetz einzustehen und gleichzeitig die Fähigkeit zu bewahren, anderen Menschen zuzuhören.
Besonders in Erinnerung blieb uns seine Überzeugung, dass demokratischer Streit nicht trennen, sondern verbinden soll. Sinngemäß formulierte er: In einem demokratischen Streit gehe es nicht um „ich und ich“, sondern um „ich und du“. Demokratie lebe davon, andere Menschen ernst zu nehmen, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und miteinander im Gespräch zu bleiben.
Auch die zweite Keynote von Philip Eberhard von der Freien Universität Berlin setzte wichtige Akzente. Er zeigte auf, wie eng Bildungsarbeit und die Prävention von Extremismus miteinander verbunden sind. Schulen seien nicht nur Orte des Lernens, sondern auch Orte, an denen demokratische Werte erfahrbar werden und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden kann.
Für die EMG-Delegation bot die Konferenz zahlreiche Anregungen. Jan Tersteegen (SV): „Da waren viele Impulse für Kooperationen mit außerschulischen Partnern dabei. Beispielsweise ein Escape-Room zum Umgang mit Antisemitismus. Und die digitale Plattform AULA schauen wir uns bei unserem nächsten SV-Treffen mal genauer an.“
Benedikt Hofschlag (10a) zeigte sich nachdenklich, zugleich aber auch motiviert. Besonders beeindruckt habe ihn die klare Haltung, mit der für Demokratie und gegenseitigen Respekt eingetreten wurde. „Dafür dass wir eine wehrhafte Demokratie sind, wehren wir uns im Moment wirklich noch zu wenig“, merkte er unter Rückbezug auf Friedmans Keynote an.
Wie wichtig ein sensibler Umgang mit Sprache sei, betonte Emilian Bischoff (8d). „Nicht jede Meinungsverschiedenheit muss direkt als persönlicher Angriff verstanden werden“, sagte er. „Es kommt darauf an, dass wir einander zuzuhören und unterschiedliche Sichtweisen ernst nehmen.“
Die Bildungskonferenz machte deutlich, dass Demokratie nicht erst im Erwachsenenalter beginnt. Sie wird dort gelernt, wo Menschen Verantwortung übernehmen, mitreden, mitgestalten und sich respektvoll mit anderen austauschen. Genau dafür bot die Veranstaltung viele wertvolle Impulse.
Dominik Trauth